Trailstöcke

Welcher Stock ist der richtige für dich? 

Faltstöcke, Fixstöcke, Faltstöcke mit fixer oder variabler Länge? Trigger Griffsystem oder doch lieber RCM? Trail Tip oder lieber die Speed Spitze? Carbon oder Aluminium? Trailrunningstöcke werden mit zunehmender Popularität der Sportart immer besser und variantenreicher. Längst ist Trailrunning ein eigenes Segment bei den Stockspezialisten: Speziell fürs Trailrunning entwickelte Stöcke zeichnen sich durch Leichtigkeit, kleines Packmaß, gute Kraftübertragung und extreme Biegesteifigkeit aus – vorbei die Zeiten in denen man Skistöcke, Trekking- oder Wanderstöcke zum Laufen benutzte. 

 

Warum Trailrunning mit Stöcken?

Gerade bei langen Strecken mit An- und Abstiegen ist die muskuläre Belastung der Beine extrem. Durch gezielten Einsatz von Stöcken beim Laufen wird diese muskuläre Ermüdung der Beine verringert. Durch den zusätzlichen Vortrieb ist bergauf mehr Speed möglich und es kann über längere Zeit ein höheres Tempo gehalten werden. Vielen Läufern verleihen Stöcke auch Sicherheit und erhöhen die Trittsicherheit im Gelände.

 

Welche Stockkonstruktionen gibt es?

 

Da Trail Runner die Stöcke nicht die ganze Zeit über benötigen, sind Faltstöcke besonders beliebt. Diese lassen sich schnell in oder an einen Rucksack verstauen und sind ebenso schnell wieder einsatzbereit. Doch auch hier gibt es zwei Varianten. Bei Fixlängen Faltstöcken entscheidet man sich im Vorfeld für eine Länge (110 – 135 cm), die man anschließend auch nicht mehr anpassen kann.  Vorteile sind hier ein geringeres Gewicht und eine direkte und schnelle Fixierung. Zielgruppe ist der Wettkampfläufer, bei dem es auf jedes Gramm seiner Ausrüstung ankommt und der die Faltstöcke beim Dowhnhill auch wieder im Rucksack verstauen möchte.

 

Aber auch variable Faltstöcke haben ihren Sinn. Sie glänzen durch ihr geringes Packmaß und sind durch die variable Längeneinstellung (100 bis 120cm oder 110 bis 130 cm) sehr vielseitig. Dadurch kann der Trailrunningstock bergab verlängert oder für alternative Sportarten wie Trekking oder (Ski)bergsteigen zweckentfremdet werden. Da man diese Flexibilität mit etwas mehr Gewicht bezahlt, sind Vario Faltstöcke vor allem Hobbyathleten zu empfehlen.

  

Der dritte im Bunde ist der Fixlängenstock. Er kann nicht gefaltet oder in der Länge verstellt werden, ist dafür extrem leicht, extrem steif und bietet beste Kraftübertragung. Der Favorit bei Vertikals oder Skyraces mit Gipfelankunft. Oder auch für diejenigen Läufer, die Stöcke gerne das ganze Rennen über tragen und nicht im Rucksack verstauen möchten.

  

Welches Griffsystem macht Sinn?

Auch bei Griffsystemen scheiden sich Geister und Geschmäcker. Weit verbreitet ist natürlich das „normale“ Schlaufensystem, wie man es von jeder Art Stock kennt und gewohnt ist. Es ermöglicht ein variables, schnelles Umgreifen, eine meist runde Stützfläche am Griffkopf bietet zusätzliche Stützmöglichkeit und in Kombination mit einer Griffverlängerung bieten sich trotz Fixlänge des Stockes unterschiedliche Längenvariationen und Einsatzmöglichkeiten. Für Wettkämpfer und ambitionierte Trailrunner bietet sicherlich das LEKI eigene Trigger Shark 2.0 System viele Vorteile. Der Läufer „verschmilzt“ quasi mit seinen Stöcken, was zu optimaler Kraftübertragung und perfektem Schwungverhalten führt.

Die richtige Länge macht's

Trailstöcke richtig einstellen: so findest du die richtige Länge, die zu dir passt. 

Damit Deine Stöcke bei jedem Terrain und abgestimmt auf Deine Aktivität richtig eingestellt sind, helfen Längen-Tabellen und Online-Rechner nur bedingt weiter. 


Faustformel für Wanderstöcke:


„Körpergröße x 0,68 = Stocklänge“ -- das ist die Faustformel, die oft zur groben Längenbestimmung bei Wander- und Trekkingstöcken und auch Nordic-Walking-Stöcken empfohlen wird. 

Bedenke bei dieser Formel, dass der berechnete Wert nur als Orientierung für die richtige Stocklänge dient. Die optimale Länge für Wander- und Trekkingstöcke erhältst Du erst, wenn Du Deine individuelle Anatomie berücksichtigst. Daneben spielen das Streckenprofil, die Disziplin (Wandern oder Speedhiking?) und nicht zuletzt auch die Stärke der Schuhsohlen eine wichtige Rolle. Daher musst Du in den meisten Fällen Deinen berechneten Wert manuell nachjustieren. Zum Glück geht das recht einfach!

Die Basislänge bei Wanderstöcken ermitteln


1) Ein 90-Grad-Winkel am Ellbogen sowie von Handgelenk zum Stock und vom Stock zum Untergrund: Das ist die Basis-Einstellung mit der sich auch leichte An- und Abstiege optimal meistern lassen. 


2) Ein 90-Grad-Winkel am Ellbogen sowie von Handgelenk zum Stock und vom Stock zum Untergrund: Das ist die Basis-Einstellung mit der sich auch leichte An- und Abstiege optimal meistern lassen. |


3) Stelle Deine Wanderstöcke zunächst so ein, dass es grob passt. Hier hilft die Berechnungsformel, oder Du orientierst Dich an der Stocklängen-Tabelle weiter unten.
Zieh Deine Berg- oder Wanderschuhe an und stell Dich mit Deinen Stöcken auf einen ebenen Untergrund.
Halte den Griff umschlossen und stelle die Spitze im 90-Grad-Winkel zum Boden auf den Untergrund. Variiere nun die Stocklänge, bis sich auch am Ellbogen ein 90-Grad-Winkel zwischen Unter- und Oberarm -- und damit die optimale Basiseinstellung Deiner Trekkingstöcke -- ergibt.
Fixiere die Klappmechanismen oder Drehverschlüsse Deiner Wanderstöcke.
Ein rechter Winkel am Ellbogengelenk gilt als Grundeinstellung für eine optimale Kraftübertragung beim Wandern mit moderaten An- und Abstiegen und auf flachem Untergrund. Konkret bedeutet das, dass diese Basiseinstellung auf moderaten Trekkingtouren, beim Pilgern sowie beim Weitwandern in der Regel ausreicht. Bist Du hingegen auf Bergtour in steilerem Gelände unterwegs, ist es sinnvoll, beim Anstieg die Stocklänge zu verkürzen oder für den Abstieg zu verlängern.

Tipp: Vor allem beim Berggehen in steilerem Gelände sind Teleskopstöcke mit variabler Längeneinstellung besonders empfehlenswert.

Stocklänge anpassen: An- und Abstieg in steilem Gelände


Jetzt geht's abwärts! Speziell für längere steile Abschnitte lohnt es sich die Stocklänge unterwegs anzupassen.
Verkürzen oder verlängern solltest Du Deine Stöcke nur unterwegs auf Tour an einer Wegstelle, deren Gefälle in etwa repräsentativ für den nachfolgenden Abschnitt ist.

Stelle Dich in Marschrichtung an den Hang und variiere die Stocklänge bis sich trotz Gefälle am Ellbogengelenk wieder eine 90-Grad-Beugung für eine optimale Kraftübertragung ergibt. Beim Abstieg darf der Winkel ggf. auch etwas kleiner sein. Als Richtwert gilt hier ein Bereich von +/- 5 bis 10 Zentimeter, je nach Steilheit.
Speziell beim An- und Abstieg ist die Einstellung sehr individuell. Ein 90-Grad-Winkel liefert theoretisch die beste Kraftübertragung, kann sich praktisch jedoch seltsam anfühlen, nicht zuletzt weil das Gelände am Ende doch nicht überall gleich steil ist. Hier hilft nur ausprobieren und die Stocklänge gegebenenfalls ein weiteres Mal anpassen.
Schließe und fixiere die Drehverschlüsse oder Klappmechanismen Deiner Stöcke immer sorgfältig.


Tipp: Das Verkürzen oder Verlängern der Stocklänge bietet sich vor allem vor längeren Streckenabschnitten in steilem Gelände oder an besonders anspruchsvollen Stellen an. Für kurze Passagen, die etwas steiler sind, kommst Du in der Regel auch gut mit der Basiseinstellung zurecht. Ein permanentes Feintuning kostet Zeit und unter Umständen auch Nerven -- der Stockeinsatz soll Dir ja die Tour erleichtern und Spaß machen!

Speedhiking: Längere Stöcke für mehr Schub?


Wer beim Wandern, Nordic Walking oder Berggehen mit höherem Tempo unterwegs ist, kann die Stöcke grundsätzlich etwas länger wählen bzw. einstellen, um mehr Vortrieb zu erreichen. Die optimale Länge lässt sich dabei nur durch individuelles Ausprobieren bestimmen. Meist liegt sie im Bereich von plus fünf bis zehn Zentimeter zur Basiseinstellung.

Trekkingstöcke mit verlängerten Griffen lassen sich bei Hangquerungen gut am Schaft fassen. So wird das abschüssige Gelände einfach ausgeglichen. 
Geht's steil bergab, dann dürfen die Stöcke kürzer sein. Wiederum gilt ein 90-Grad-Winkel am Ellbogen trotz abschüssigem Untergrund als ideal. 


Hangquerungen: Das ist bei der Stocklänge zu beachten


Ein Spezialfall hinsichtlich der Stocklänge sind Hangquerungen in steilerem Gelände. Hier kann man bei langen Querungen sicherlich beide Stöcke jeweils individuell an das Gefälle anpassen. Die Stocklänge fällt dann unterschiedlich aus und ermöglicht an beiden Ellbogen wiederum eine 90-Grad-Beugung.

Tipp: Wer über Wanderstöcke mit verlängerten Griffen verfügt, ist bei Hangquerungen im Vorteil. Der Stock an der Berghand wird einfach etwas tiefer am Schaft an der Griffverlängerung gefasst, ohne dass die Länge des Stocks verändert werden muss.

Übersichtstabelle Stocklänge
Körpergröße Stocklänge* (gerundet)
120 cm 82 cm
125 cm 85 cm
130 cm 88 cm
135 cm 92 cm
140 cm 95 cm
145 cm 99 cm
150 cm 102 cm
155 cm 105 cm
160 cm 109 cm
165 cm 112 cm
170 cm 116 cm
175 cm 119 cm
180 cm 122 cm
185 cm 126 cm
190 cm 129 cm
195 cm 133 cm
200 cm 136 cm
205 cm 139 cm
210 cm 142 cm
Berechnet gemäß der Formel Körpergröße x 0,68 = Stocklänge. Ergebnisse gerundet.

Teleskopstöcke vs. Fixlängenstöcke: Welchen Unterschied macht das?


Wanderstöcke mit variabler Längeneinstellung werden Teleskopstöcke genannt. Sie bieten beim Berggehen, Wandern und Trekking mehr Flexibilität und die Möglichkeit, die Länge an das Gelände anzupassen oder für mehr Schub zu verlängern.
Fixlängenstöcke sind hingegen unkompliziert im Handling, etwas stabiler und können nicht versehentlich zusammen rutschen. Sie bieten sich für Touren im flachen bis welligen Gelände an und immer dann, wenn eine variable Stocklänge beim Einsatzzweck keine Rolle spielt.
Beim Packmaß wirkt sich eine fixe Stocklänge übrigens nicht zwingend negativ aus, da es sich bei derartigen Stöcken oft um Faltstöcke handelt
 

Der richtige Einsatz

Wie setzt man Stöcke richtig ein und was ist zu beachten? 

Man kann sich das Trailrunning auf steilen Anstiegen erleichtern, indem man sich mit den Armen auf den Oberschenkeln abstützt. Aber auch durch den Einsatz von Stöcken wird bergauf die Effektivität gesteigert. Dadurch dass diese aus Carbon hergestellt werden, werden sie immer leichter. 2 oder 3 Mal zusammenklappbar sind sie außerdem leicht unterzubringen. 


WANN WERDEN BEIM TRAIL DIE STÖCKE EINGESETZT?


Die Trailstöcke ermöglichen dir vor allem bei steilen Anstiegen Kräfte zu sparen.
Zusätzlich helfen sie beim Gehen.
Bei moderaten Steigungen und mit einer guten Koordination, kannst du sogar mit diesem zusätzlichen Anschub an Geschwindigkeit gewinnen.
Bergab können Stöcke helfen, Hindernisse zu überwinden, das Gleichgewicht zu halten oder zu bremsen.
Achte auf felsigem Gelände darauf, die Stöcke nicht zwischen zwei Felsblöcken aufzusetzen. Wenn sie sich verkanten, besteht durch die große Hebelwirkung Bruchgefahr.

STÖCKE EINSETZEN: SO MACHST DU ES RICHTIG


HANDSCHLAUFEN
Für den optimalen Einsatz der Trail-Stöcke ist es zunächst wichtig, die Handschlaufen richtig zu platzieren. Stecke deine Hände von unten durch die Handschlaufen und greife dann nach dem Griff. Auf diese Weise kannst du kräftigen Druck auf die Handschlaufen ausüben, wobei du zugleich deine Handgelenke locker lassen kannst.

SYNCHRONISATION

Um die Stöcke effizient einzusetzen, ist eine gute Synchronisation erforderlich.

3 TECHNIKEN MIT STÖCKEN


Je nach Gelände und Tempo kannst du die Stöcke mit 3 verschiedenen Techniken einsetzen.

IM WECHSEL
Wechsle den rechten und den linken Stock im Rhythmus deines Laufs ab. Setze den Stock in Höhe deines Fußes auf. Der Angriffswinkel sollte dir sofort ermöglichen, nach hinten zu drücken.

Diese Technik ist besonders effektiv beim schnellen Laufen auf einem Gelände mit steilen Anstiegen.

DOPPELSTOCK-TECHNIK
Bei sehr steilen Anstiegen setzt du am besten die Doppelstock-Technik ein, um eine optimale Kraftübertragung zu erreichen. Setze beide Stöcke vor dir auf, beuge dich nach vorn und gib dir drei Schritte lang einen kräftigen Schub und wiederhole dies.

GALOPP
Die Wechseltechnik erspart beim Laufen nicht viel Kraft. Bei leichten Anstiegen ist es somit einfacher, auf die Galopp-Technik zurückzugreifen. Setze die Stöcke alle drei Schritte im Wechsel auf. Das ist eine Mischung aus wechselnder und Doppelstock-Technik.

Dies ist eine gute Technik beim Langstreckenlauf oder beim Ultra-Trail, um die Stöcke sogar in den schnellen Abschnitten einzusetzen.

DIE STÖCKE BERGAB EINSETZEN


Stöcke können auch auf dem Abwärtsweg hilfreich sein. Du kannst damit über einen Fels oder andere Hindernisse springen, ohne dabei an Energie zu verlieren. Sie können dir helfen zu bremsen und somit deine Oberschenkel zu schonen. Schließlich erlauben sie auch, das Gleichgewicht zu halten, ohne dass du dich mit den Händen auf dem Boden abstützen musst.

DIE STÖCKE BEI SICH TRAGEN


Du kannst die Stöcke problemlos in den Händen halten, auch wenn du sie nicht benutzt. Sind die Stöcke auf einer langen Strecke mal überflüssig? Dann bringe sie für mehr Komfort in deinem Trail-Rucksack unter. Das gilt auch an den Verpflegungsstationen, wo man die Hände doch gerne für die Aufnahme von Essen und Trinken frei haben möchte.

Ein Holster ist eine spezielle Halterung, die auf dem Rucksack angebracht wird und dir ermöglicht, die Stöcke zu verstauen und sie schnell bei der Hand zu haben. Ausgezeichnete Effizienz auf sehr hügeligem Gelände!